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„Einen Glückstreffer gelandet“ Der gebürtige Füssener Felix Petermann über seinen Wechsel zum DEL-Neuling EHC München –
München Bereits Anfang des Jahreshatte Eishockey-Profi Felix Petermannseine persönliche Planung fürdie nahe Zukunft abgeschlossen. Beiden Frankfurt Lions unterschriebder 26-jährige Verteidiger aus Füsseneinen Zwei-Jahres-Vertrag.Doch die Insolvenz der Hessendurchkreuzte Petermanns Pläne.Anfang Juli heuerte der 35-facheNationalspieler beim AufsteigerEHC München an. Wir haben mitdem Abwehrspieler über seinenWechsel nach vier Jahren in derKurpfalz an die Isar gesprochen.Wie haben Sie Ihre ganz persönlicheTransfer-Odysee erlebt?Felix Petermann: Ich hatte mirFrankfurt gezielt ausgesucht: DieMannschaft wäre stark gewesen undmeine Perspektive war top. Ich habemich wahnsinnig auf Frankfurt gefreut,meine Freundin Dorotheehatte bereits eine Lehrerstelle undwir hatten schon eine sehr schöneWohnung gefunden. Als ich von denersten Problemen der Lions hörte,hatte ich keinen Gedanken an dasAus. Es war nicht vorstellbar, dasses in so einer Stadt an fünf MillionenEuro scheitert – dort gibt es Unternehmen,die pro Tag mehrUmsatz machen.Wann haben Sie amPlan B gearbeitet?Petermann: MeinAgent hat sichschon früh umgehört,aber bis zumoffiziellen Insolvenzantraghatte ich ja einengültigen Arbeitsvertrag.Jedoch schon zweiTage nach der endgültigenLions-Pleite standder Kontakt nachMünchen.Kommen da zwischenzeitlichauch Ängstedurch, plötzlich ohneArbeitgeber dazustehen?Petermann: Ich habemir in dieser PhaseGedanken gemacht, die ich mir nochnie zuvor machen musste. Das istschon eine Art Existenzangst. Aufder anderen Seite war ich noch nie sofroh, dass ich BWL studiere und damitein zweites Standbein habe.Welche Argumente an München habenSie überzeugt?Petermann: Die Situation war soschlimm, dass ich erstmal froh bin,überhaupt so schnell einen neuenVerein gefunden zu haben. Mandarf nicht vergessen: Die meistenVereine hatten ihr Budget schonausgeschöpft und auf einen Schlagwaren 20 Topspieler mehr auf demMarkt. Mit München habe ich abereinen echten Glückstreffer gelandet:Sie haben einen deutschen Verteidigermit DEL-Erfahung als Führungsspielergesucht – also deckungsgleichmit meinen Vorstellungen.Zudem ist dieStadt wunderschön, nahe ander Heimat und in diesem Jahr steigtin München auch noch das 200-jährigeWies’n-Jubiläum (lacht).Also hat sich doch alles zum Gute gewendet...Petermann: ...fast. Wir haben schoneine Wohnung. Jetzt braucht Dorothenur noch eine Stelle als GrundundHauptschullehrerin. Abersportlich ist die Aufgabe hier sehrreizvoll.Auch wenn es wahrscheinlich nicht umden Titel gehen wird?Petermann: Wir wollen uns alsMannschaft in der Liga und das Eishockeyin München etablieren. Ichfreue mich darauf in einer Mannschaftzu spielen, in der das Team anerster Stelle steht. Ich habe in derVergangenheit erlebt, dasEinzelnen ihr Ego teilweisewichtiger warals der kollektive Erfolg.In Mannheimwar die Erwartungzwar der Titel, aberdie Realität war trotzguten Kaders oft meilenweitdavon entfernt.In Münchensind die Erwartungen andereund der Druck geringer.In der Vergangenheitsind die Projekte amEishockey-StandortMünchen meist kläglichund verlustreich gescheitert.Woran liegt das?Petermann: Als Füssenerhabe ich das immerverfolgt und ehrlich gesagtnie so richtig verstanden,warum nichtjedes Wochenende zumindest5000 Zuschauerin das Eisstadion zu bewe-gen sind. Ich denke aber, dass esmöglich ist, eine Euphorie zu entfachen.Eishockey muss einfach Spaßmachen. Es gibt ja genügend vergleichbareBeispiele: In Frankfurtzum Beispiel regiert auch KönigFußball, trotzdem sind die Leuteauch zum Eishockey gegangen.Die Pleite der Lions, das drohende Ausvon Meister Hannover, die Farce mitKassel und das Zittern um München.Nach der tollen WM im eigenen Landhat das Eishockey in Deutschland wiedereinmal vorwiegend Negativ-Schlagzeilen produziert. Woran liegtdas?Petermann: Das ist einfach nur frustrierend.Der größte Erfolg in derGeschichte unseres Sports war derperfekte Grundstein für eine ähnlicheEntwicklung wie im Handball.Doch solche Themen machen dasEishockey kaputt. Wir brauchen zunächsteinmal eine nachhaltigeStruktur mit Auf- und Abstieg. Dieseewigen Debatten um den Modussind nicht gerade förderlich.Haben Sie noch andere Ansätze, wiedas Image aufpoliert werden könnte?Petermann: Wir müssen nicht auf dieNHL schauen, sondern einfach malRichtung Schweiz. Die Schweizerhaben seit Jahren eine sehr attraktiveund duchstrukturierte Liga dievor allem auf die einheimischen Akteurebaut. Daher empfehle ich eineReduzierung auf acht, dann aufsechs Ausländer. Dies würde auchder Nationalmannschaft zu Gutekommen, die einfach das Aushängeschilddes Sports ist. Außerdem solltenDEL und 2. Liga angeglichenwerden, damit beispielsweise eineRelegation gespielt werden kann.Ich denke auch, dass das öffentlichrechtlicheFernsehen das richtigeMedium wäre. Es bekommt ja niemand,der nicht Pay-TV hat, wasvon der DEL mit. Der Hauptpunktist aber eine professionellere Arbeitbei den Vereinen, der Liga und demVerband mit dem gemeinsamenZiel, Eishockey in Deutschland nachvorne zu bringen. Den so ein Lizenz-Theater wie in den letztenMonaten hilft niemandem undmacht das Eishockey kaputt.
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